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Der Bettelwurf im Karwendelgebirge

Kraftort in der Region Hall-Wattens

Der Bettelwurf ist markant und gleich erkennbar inmitten des Karwendelgebirges: Eine Ikone aus Kalk und Fels
Der größte Kraftort von allen ist er, der mächtigste. Auch der respekteinflößendste. Ein steinerner Koloss, über 2700 Meter hoch. Einer der mächtigsten Gipfel des Karwendels, und einer der schönsten - Der sagenumwobene Bettelwurf!
Seine Schönheit wurde sogar preisgekrönt: Anlässlich seines 150-Jahr-Jubiläums kürte der Sportausstatter Mammut weltweit die 150 schönsten Gipfel, zu denen auch der Bettelwurf gehört, neben Berg-Ikonen wie dem Großglockner oder dem Wilden Kaiser.

Nicht, dass der Bettelwurf auf Schönheitswettbewerbe zählen würde: Zu erhaben, zu großartig ist seine Mächtigkeit. Stets auch ein wenig geheimnisumwittert. Da passt auch die Sage vom Bettelwurfgeist, die man sich in der Karwendelregion seit Jahrhunderten erzählt, perfekt dazu.

Beim Trinkwasserstollen zweigt ein Anstiegsweg zur Bettelwurfhütte und zum Bettelwurf ab. Steil führt er bergan, luftig sind die Tiefblicke, unvergesslich bleibt er, süchtig kann er machen. Der Bergsteiger Carl Gsaller legte diese Trassierung schon 1881 fest, endgültig ausgebaut wurde der Weg zur Zeit der Erbauung der Bettelwurfhütte im Jahre 1894 und verläuft heute noch genauso wie damals. Der Große Bettelwurf ist nach der Birkkarspitze, der Ödkarspitze und der Kaltwasserkarspitze der vierthöchste Karwendelgipfel, aber die höchste Erhebung der Halltalkette.

Tauchen Sie ein in einen wahrhaft erhabenen Kraftort!

Der Kraftort Bettelwurf im Karwendelgebirge

auf einen Blick

Wie gelangt man auf den Bettelwurf?

Auch abseits von Sagen und Legenden ist der Bettelwurf ein besonderer Ort, dessen Kraft man bei jedem Schritt spürt. Verschiedene, allesamt anspruchsvolle Bergwege und ein Klettersteig führen auf den Gipfel. Wenn man dann dort oben steht, in luftiger Höhe, den Blick weit ins Inntal und bis nach Bayern gerichtet, spürt man: Dies ist ein Kraftort in seiner reinsten Form.

Achtung: Absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sowie alpine Erfahrung sind für diese Tour Voraussetzung!!!

ÜBERBLICK
Um auf den Bettelwurf zu gelangen, gibt es verschiedene Zustiege. Für die kürzeste Variante nimmt man den Taxi-Shuttle vom Parkplatz am Halltaleingang (auch mit Öffis sehr gut erreichbar) bis zum Trinkwasserstollen im Halltal (1000 m), von dort sind es ca. 2,5 h (1077 hm) zur Bettelwurfhütte und dann weitere 1,5 h (680 hm) auf teils drahtversicherten Steigen bis zum Gipfel.

DETAIL
Für diese Tour muss man auf alle Fälle schwindelfrei und trittsicher sein! Ausgangspunkt ist beim Parkplatz Eingang Halltal in Absam. Man wandert entweder der Straße entlang oder links am Steig bis zum Trinkwasserstollen. Der Bach wird überquert und man folgt der Beschilderung „Bettelwurfhütte“. Anstrengend geht es das Schotterfeld hinauf, man quert nach links und kommt auf einen Steig durch Latschen. Nach einiger Zeit gelangt man zur Abzweigung „Bettelwurfhütte“ oder „Gr Bettelwurf“. Je nach dem ob man eine Einkehr oder Rast machen möchte, entscheidet man sich für eine der zwei Varianten. Kehrt man ein, muss man danach den Weg zur Abzweigung wieder retour gehen (ca 20 Minuten). Von da an führt ein anspruchsvoller Steig, im oberen Teil gut drahtversichert über den Eisengattergrat auf den Großen Bettelwurf! Ein einmaliger Gipfelsieg!! Retour geht es über den selben Weg. Da es eine sehr lange Tour ist, sollte man sich überlegen, ob man vielleicht eine Übernachtung auf der Bettelwurfhütte einplant!
Gesamte Dauer: ca. 4 h/ca. 1750 hm.


Die Erstbesteigung des Großen Bettelwurf

Der Bettelwurf wurde im Vergleich zu anderen Karwendelgipfeln durch die Nähe zum Inntal schon relativ früh von städtischen Touristen besucht. Zwar wird die Erstbesteigung des Gipfels Hermann von Barth am 16. Juni 1870 zugeschrieben, jedoch erster namentlich bekannter Tourist auf dem Großen Bettelwurf war Ludwig Barth zu Barthenau, der als Gymnasiast um 1855 von einem Wildschützen auf den Gipfel geführt wurde. In seinem Buch "Aus den nördlichen Kalkalpen" macht auch Hermann von Barth einen diesbezüglichen Hinweis, beschrieb aber seinen Besteigungsversuch am 15. Juni 1870 und schließlich die Besteigung des Gipfels einen Tag später.

Im September 1867 erreichten Julius Pock (Begründer des alpinen Vereins "Wilde Bande") und Karl Wechner im zweiten Versuch den Gipfel. Über den Südgrat erstieg Carl Gsaller am 18. Juni 1878 erstmals den deutlich anspruchsvolleren Gipfel des Kleinen Bettelwurfs und führte anschließend den Gratübergang zum Großen Bettelwurf erfolgreich aus.

Wer mehr zum Thema Wandern wie früher erfahren möchte, der kann von Mai bis einschließlich Oktober 2021 an einer geführten Wanderung zu diesem Thema teilnehmen bzw. eine sehr sehenswerte Ausstellung im Haller Stadtmuseum besichtigen: Solbad Hall - Sommerfrischler, Fremde und Touristen. Hier geht es u.a. auch um den Bergtourismus.

Hermann von Barth - Pionier im Karwendel

Hermann Freiherr von Barth-Harmating wurde 18454 auf Schloss Eurasburg geboren und starb 1876 in Sao Paulo de Luanda, Angola. Er studierte zuerst Rechtswissenschaften in München. Als Rechtspraktikant begann er ab 1868 von Berchtesgaden aus die noch weitgehend unerschlossenen Berchtesgadner Alpen zu erkunden. Ab 1873 studierte er Naturwissenschaften. Er ist vor allem als Erschließer des Karwendels bekannt. Später erkundete er das Wettersteingebirge und die Allgäuer Alpen (vgl. Hermann von Barth Hütte). 1876 beging er auf einer Forschungsreise in Afrika, durch eine Fiebererkrankung verwirrt, Selbstmord!

Bei seiner Besteigung des Bettelwurfs nächtigte Barth damals in den Herrenhäusern und stieg von dort auf das Lafatscherjoch. Von hier querte er oberhalb der Hohen Wand durch das große und kleine Speckkar zum Eisengattergrat hinaus. Über die Absätze und Bänder am Eisengattergrat, zuletzt durch die Große Rinne erreichte er den Gipfel des Großen Bettelwurf, auf dem Barth keinerlei Anzeichen vorfand, die auf eine frühere Besteigung schließen lassen konnten. Barth suchte in Richtung Osteck einen Platz, der von St. Magdalena gesehen werden konnte und errichtete dort einen großen Steinmann. Der heutige Normalanstieg folgt im wesentlichen dem Weg Hermann von Barths, wie er es in einer Skizze des Bettelwurfs vom gegenüberliegenden Hochmahdkopf festhielt. Barth ging nach der Rückkehr zu den Herrenhäusern noch nach St. Magdalena um dem Knappen Franz Posch, der dort wohnte und mit der Jagdaufsicht betraut war, von der geglückten Besteigung zu berichten und ihm durch das Fernglas den Steinmann auf dem Gipfel zu zeigen.
Quelle: Alpenverein Sektion Innsbruck

Die Bettelwurfhütte: älteste Hütte im Karwendel

Bettelwurfhütte mit Berg Dämmerung_Bettelwurf_Wandern_©hall-wattens.at (6)

Gut, dass es auf dem Weg zum Gipfel des Bettelwurf einen besonderen Rastplatz gibt: Die Bettelwurfhütte auf 2077 Metern Seehöhe. Sie wurde bereits 1894 erbaut und ist somit die älteste Hütte im Karwendel. Ihr Inneres ist urig und gemütlich, und die Wirtsleute sind immer für einen Plausch zu haben. Auch übernachten kann man hier vorzüglich. Die Bettelwurfhütte liegt an einer Felsschulter direkt unter dem Kleinen Bettelwurf und trägt seit ihrem Entstehen entscheidend zum Wert des Naherholungsgebietes Halltal bei. Julius Pock, Obmann und Gründer der Alpinen Gesellschaft "Wilde Bande" war u.a. auch der Begründer der Bettelwurfhütte.

1892 stellte der Central-Ausschuss des Alpenvereins bedeutende finanzielle Mittel in Aussicht, so dass die Angelegenheit in Fluss geriet. Das vorgesehene Grundstück befindet sich auf auf einer kleinen Terrasse im Südgrat des Kleinen Bettelwurfs auf einer Höhe von etwa 2.100 m. Der Grund befand sich im Eigentum der k.k. Forst- und Domänendirektion, die mit dem Bau einer Hütte auf dem vorgesehenen Bauplatz einverstanden war und das Grundstück zunächst pachtweise der Sektion auf die Dauer von neun Jahren überließ. Der direkte Weg zur Hütte wurde 1892 begonnen. Es wurde vorerst eine Wegstrecke von ungefähr 2.000 m ausgeführt, die Strecke am Einstieg in die Felsen wurde gesprengt und mit Drahtseilen versehen. Im Jahr 1893 wurde weitergearbeitet und am am 25. Oktober 1893 war der Weg bis zum vorgesehenen Hüttenbauplatz ausgebaut. Gleichzeitig wurde in den Jahren 1892/93 der Steig auf den Großen Bettelwurf fertig gestellt

Die Bettelwurf Hütte selbst war im Jahr 1893 auf dem Ausstellungsplatz der Tiroler Landesausstellung in Innsbruck zu sehen. Nach Ende der Ausstellung wurden alle brauchbaren Holz- und Eisenteile sowie Einrichtungsgegenstände zur Arbeitshütte am Lafatscherjoch gebracht. Im Jahr 1894 wurde das gesamte Hüttenbaumaterial vom Lafatscherjoch zum Bauplatz geliefert. Die Hütte wurde vom Baumeister Andrä Höß aus Mieders aufgebaut. Die Eröffnung wurde am 8. September 1894 durch den Vorstandsstellvertreter Julius Zambra bei Anwesenheit von 79 Teilnehmern vorgenommen. Die Räume in der Hütte waren wie folgt aufgeteilt: im Erdgeschoss ein Wohnraum mit Kochherd und ein durch ein Zirbengetäfel getrennter Schlafraum für 6 bis 8 Personen, als Matratzenlager. Im Dachboden war ein Heu- und Deckenlager eingerichtet.

Um die Jahrhundertwende war die Besucherzahl der Hütte so stark angestiegen, dass die Räumlichkeiten der Hütte den Anforderungen nicht mehr entsprachen. Weitere Ausbauarbeiten folgten. Nachdem die Versorgung der Hütte über das Lafatscherjoch immer schwieriger wurde, entschloss sich der Zweig Innsbruck 1966 eine Materialseilbahn zu bauen, welche in den Folgejahren immer wieder erneuert wurde.

Im Jahr 1974 wurden im Schlafhaus in einem der nordseitigen Zweibettzimmer ein Waschraum mit Waschgelegenheit und zwei WC eingebaut. Im Wirtschaftsgebäude oberhalb der alten Hütte wurde 1978 für die Energieversorgung der Hütte ein Stromaggregat bestehend aus einem Dieselmotor mit angebautem Generator in Betrieb genommen. Im gleichen Jahr wurde an der Nordseite der Veranda zwischen alter Hütte und Schlafhaus eine Speis für die Lagerung der Lebensmittel angebaut. Eine weitere bauliche Maßnahme war die Verlegung des Hütteneinganges von der Wetterseite auf die Ostseite der alten Hütte. Die Arbeiten wurden 1980 begonnen und ein Jahr später abgeschlossen. Für die Verlegung des Hütteneinganges wurde talseitig an die alte Hütte ein Anbau errichtet, in dem ein Vorraum mit Schuh- und Gepäckablage und eine Stube für ungefähr 20 Personen untergebracht sind. 1981 wurde das Funktelefon in Betrieb genommen. Die Hütte war damit an das öffentliche Telefonnetz angeschlossen, was die Verständigung der Bergrettung bei Unfällen und die Bewirtschaftung der Hütte wesentlich erleichterte. Mittlerweile gibt es auf der Hütte auch einen Internetanschluss.

Die Hütte bietet heute Platz für 62 Besucher. Davon sind 34 Betten und 28 Matratzenlager. Auf der Nordseite befindet sich ein ständig offener Notraum mit Koch- und Heizmöglichkeit, der in Notfällen Schutz bietet.

Quelle: Alpenverein Innsbruck

  • Bettelwurfhütte im Jahr 2019
  • Bettelwurfhütte im Jahr 1898
  • Bettelwurfhütte im Jahr 1904

Zustiege zur Bettelwurfhütte

  • Zustieg A: Normalweg 222 vom Halltal Eingang - Bettelwurfeck - Bettelwurfhütte
  • Zustieg B: über St. Magdalena - Issanger - Lafatscherjoch - Bettelwurfhütte
  • Zustieg C: Absamer Klettersteig mit Schwierigkeitsgrad A-C
  • Zustieg D: Hafelekar - Pfeishütte - Stempeljoch - Lafatscherjoch - Bettelwurfhütte
  • Zustieg E: Scharnitz - Hallerangerhaus - Lafatscherjoch - Bettelwurfhütte

Bettelwurfhütte

Bettelwurfhütte

Bettelwurfhütte

Hütte / Schutzhütte in Absam

Zentrum Hall in Tirol (6,2 km) Zentrum Innsbruck (15,7 km) Naturpark Karwendel (2,7 km) Umit Hall in Tirol (5,9 km) Hall in Tirol (6,2 km) Museum Münze Hall (6,3 km) Bahnhof Hall in Tirol (6,8 km) Swarovski Kristallwelten (14,8 km) Ski- und Wandergebiet Glungezer (15,2 km) Messe Innsbruck (15,4 km) Innsbruck (15,7 km) Hauptbahnhof Innsbruck (16,5 km) Flughafen Innsbruck (20,8 km) Flughafen München (170,0 km)

ab EUR 20,60pro Person / Nacht

Die Sage des Bettelwurfgeist

Bettelwurfgeist-1

Die bislang nicht enträtselte Herkunft des Namens "Bettelwurf" versucht die Sage vom Bettelwurfgeist zu klären. Der Absamer Künstler Karl Obleitner hat ihn an den Herrenhäusern auch bildlich dargestellt:

Der Legende nach zogen vor vielen hundert Jahren Nonnen in das Klostergebäude zu St. Magdalena. Sie waren jedoch nicht alle fromm und gütig. Da kam eines Tages ein armer Salzbergarbeiter zur Klosterpforte und bat um ein Almosen für seine hungrige Kinderschar. Missmutig reichte ihm die Pförtnerin ein Stück steinhartes Brot. Den Mann packte ein wilder Zorn und er schrie: "Diesen Bettel könnt ihr selber fressen, ihr Geizkragen!" Und mit einem kräftigen Wurf schleuderte er das Brot gegen die Felswand. Brot ist aber - ob hart oder weich - eine Gottesgabe, mit der man sorgsam umgehen muss.

Entsetzt über die Tat rief die Nonne: "Das musst du büßen. Du wirst im Grab nicht Ruhe finden. Rastlos wird dein Geist in diesem Tal herumirren müssen." Und so kam es auch. Der Mann ward seither niemals wieder gesehen. Unsichtbar geistert er in den Felswänden des Halltals hin und her. Im Winter tritt er Staublawinen los, im Sommer löst er Muren vom brüchigen Gestein. An warmen Föhntagen kann man sein Heulen und Toben aus den Klüften der Felsen hören. Und in klaren Vollmondnächten sieht man ihn auf einer weißen Gams mit goldenen Hörnern durch die Kare reiten.

Aber auch der Geiz der Nonne wurde bestraft. Ein Erdbeben im Jahre 1670 beschädigte das Klostergebäude schwer, knapp zwanzig Jahre später wurde es durch ein weiteres Erdbeben vollends zerstört. Den schroffen, steilen Felsen, gegen den der Salzbergarbeiter das harte Brot, den "Bettel", geworfen hatte, nannten die Leute fortan "Bettelwurf".

Nach diversen Überlieferungen, sollen im Kloster St. Magdalena die unerlösten Seelen von Nonnen umgehen, die einst ein unbußfertiges Leben geführt hätten: Der im Jahr 1905 verstorbene Wirt von St. Magdalena erzählte, dass ihm die Geister der Klosterfrauen immer wieder den Schlaf geraubt hätten, wenn sie über die Treppen trappelten und schlurften, an allen Türen probierten, wisperten und rumpelten, und wenn der Wind ihren Gesang und ihr Orgelspiel von der Kirche herübertrug.

Das Bettelwurfbrünnel: Trinkwasser aus dem Halltal

Familienwanderung_Halltal ©Hall-Wattens.at (25)

Heute ist die Trinkwasserversorgung für Hall und Absam gesichert. Doch lange Zeit war dies nicht der Fall, da Muren- und Lawinenabgänge die ursprünglichen Quellfassungen am Fuße der Bettelwurfreise immer wieder beschädigt haben. Nach einem Notfall am 31. Juli 1992, wo eine riesige Mure mehrere Quellen im Halltal verschüttete, haben die Gemeinden Hall und Absam beschlossen, einen gemeinsamen neuen Stollen zu bauen: den Margarethen-Stollen.

Benannt ist dieser Stollen nach der Stollenpatin Margarete Posch, der Gattin des früheren Bürgermeisters der Stadt Hall, Dr. Josef Posch. Der Margarethen-Stollen führt knapp einen Kilometer in das Karwendelmassiv und wurde zwischen 1995 und 2002 gebaut. Pro Sekunde fließen zwischen 250 und 450 Liter klares und reines Quellwasser aus dem Stollen. Davon kann man sich wunderbar beim Bettelwurfbrünnel überzeugen. Das kostbare Nass wird vom Berg zehn Jahre lang auf natürliche Weise gefiltert.

Die Bettelwurferin: Lawinen und Muren im Halltal

Steht man am Bettelwurfeck und schaut rechts hinauf, erkennt man die Sturzbahn der "Bettelwurferin", einer der großen Lawinen des Halltals. Auch als Murrinne ist dieser Schottergraben bei großen Gewittern berüchtigt und gefürchtet, hat er doch schon mehrmals arge Verwüstungen an der Straße und an der Trinkwasserversorgung angerichtet.

Der Lawinenwinter 1999 beschädigte die Herrenhäuser am Talende sehr stark und nun sieht dieses einem unbestimmten Schicksal entgegen.

Trotz seiner geringen Länge von etwa 6 km ist das Halltal eines der merkwürdigsten und mannigfaltigsten Täler der nördlichen Kalkalpen. Seine Besonderheiten hängen aufs engste mit dem komplizierten Gesteinsaufbau zusammen. Wegen seiner interessanten Mischung an Flora und seines Artenreichtums war das Halltal seit langem Ziel bedeutender Botaniker. Viele Bäume haben wegen des dauernden Kampfes gegen die Naturgewalten und Lawinen eine eigene Wuchsform angenommen. Besonders Birken, Buchen und Föhren haben eine elastische krüppelhafte Zwergform entwickelt, sie brechen nicht, sie geben nach und überleben.

Überall im Halltal finden wir Spuren gewaltiger Katastrophen. Eine große Verwerfung hat die Bettelwurfreisen und den dortigen Quellhorizont entstehen lassen. Von den glatten Wettersteinkalkplatten und Schutthalden zwischen Lafatscherjoch und Bettelwurf gehen Alt- und Neuschneelawinen so regelmäßig nieder, dass sie besondere Namen führen, wie zB die Plattnerin oder die Bettelwurferin, die so oft den Bach und die Straße verschüttet hat. Aus diesem Grund heraus, entstand der sogenannte "Fluchtsteig", der für die damaligen Knappen im Salzbergwerk einen realtiv sicheren Auf- und Abstieg ermöglichte. In den wenigen lawinensicheren Hang- und Tallagen hingegen haben sich oft nur kleine, aber interessante Naturwaldreste erhalten. Eines davon findet man direkt beim Einstieg zum Bettelwurf, bei der 2. Ladhütte: hier befindet sich ein älterer, naturnaher buchendominierter Mischwald mit üppig nachwachsenden Buchen, Ahornen, Tannen, Fichten, Eigen und vielen Straucharten.

Unzählige Berichte von Lawinenunglücken, Unwetterkatastrophen mit Todesfällen und Schäden an Brücken, Wegen, Gebäuden und Bergbauanlagen sind uns überliefert.
Im Jahr 1518 geriet Kaiser Maximilian am Wildanger durch eine Lawine in Lebensgefahr, angeblich nur durch die Schnelligkeit seines Pferdes wurde er gerettet. Beim Bettelwurfbrunnen sind 5 Kreuze mit den Initialen verunglückter Bergknappen im Jahr 1565 in den Felsen gehauen.

Einer der schönsten Gipfel weltweit

Aus Anlass seines 150. Geburtstages kürte der Sportausstatter Mammut weltweit die 150 schönsten Gipfel. Zusätzlich ließ sich die Bergsportfirma ein wahres Mammut-Projekt einfallen: Im 150. Geburtstagsjahr 2012 erklimmen rund 1400 Alpinisten in 40 Ländern die 150 schönsten Berge der Welt, darunter auch spektakuläre 8000er-Majestäten wie den Mount Everest.

Auch ein markanter Gipfel in der Region Hall-Wattens ist in diesem Aufgebot der schönsten Berge vertreten: Unser Kraftort, der Große Bettelwurf im Karwendel zählt zu den weltweit schönsten Bergen.

Die Siegergipfel wurden im Rahmen der weltweiten Geburtstagsfeiern von ausgewählten Teams bestiegen: Die Besteigung des Großen Bettelwurf im Karwendelgebirge stand dabei ebenso auf dem Programm wie die der Wildspitze in den Ötztaler Alpen, das Kellerjoch in den Tuxer Alpen, der Wilde Kaiser in den Nördlichen Kalkalpen zwischen Kufstein und St. Johann in Tirol, die Serles in den Stubaier Alpen, der Similaun am Schnalskamm an der Grenze zu Südtirol, die Große Ochsenwand in den Kalkkögeln der Schlick, die vergletscherte Weißkugel in den Ötztaler Alpen, die Zugspitze im Wettersteingebirge sowie Hochvogel und Mädelegabel, die an der Grenze zu Bayern liegen. Auch Österreichs höchster Berg, der Großglockner mit seinen 3798 m an der Grenze zwischen Osttirol und Kärnten, war dabei.

Nach welchen Richtlinien entschied sich die Fachjury für die 150 schönsten Gipfel der Welt?

Kommt es bei einem Schönheitswettbewerb der Berge auch auf die Maße an? Ja, denn eine Mindesthöhe braucht ein gestandener Berg, sonst wäre er bloß ein Hügel. Entscheidend aber ist das Gesamterlebnis, das er bietet. Vom Tal aus erkennt man Form und Beschaffenheit, beim mehr oder weniger fordernden Aufstieg beweist sich sein Charakter, beim Einkehren in den Hütten seine Gastfreundschaft, oben am Gipfel genießt man die Aussicht.

Viele Wanderer und Bergsteiger im Karwendel schwören schon seit langem auf das unverwechselbare Gesamterlebnis bei Touren auf den Kleinen und Großen Bettelwurf und haben die markanten Gipfel schon lange in ihr Herz geschlossen.

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