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Rätersiedlung Himmelreich in Volders

Kraftort in der Region Hall-Wattens

Archäologischer Kraftort mit spektakulärem Ausblick

Besucht man die Rätersiedlung Himmelreich, erkennt man sofort, weshalb eine der ersten Siedlungen im Inntal ausgerechnet hier entstanden ist. Sicherlich standen hinter dieser Entscheidung strategische Überlegungen, doch die Kraft dieses Ortes kann man nicht leugnen.

Die Rätersiedlung Himmelreich befindet sich auf einer Bergkuppe zwischen Wattens und Volders und liegt am Historischen Rundwanderweg. Sowohl von Wattens, als auch von Volders ist Himmelreich innerhalb einer halben Stunde zu erreichen. Ein kleiner Fitnessparcour sowie eine Aussichtsplattform machen unseren Kraftort zu einem Ort der Begegnung, aber auch der Ruhe und Besinnung auf das Leben unserer Vorfahren. Der Kraftort Rätersiedlung Himmelreich ermöglicht uns die Suche nach Heimat, nach Geschichte, nach Identität und nach dem Wohin.

Die Geschichte rund um die Rätersiedlung

Viele Moränenhügel und Felsköpfe Tirols waren während der letzten Jahrhunderte v. Chr. von zum Teil befestigten Gehöften und Siedlungen überbaut, einige davon sind untersucht.

Die Siedlung auf dem ‘Himmelreich’, einem zwischen Volders und Wattens gegen das Inntal vorgerückten Quarzphyllitrücken, von Dr. Alfons Kasseroler 1953 bis 1955 erforscht, ist von den bisher in Tirol ausgegrabenen die eindrucksvollste. Hier erhoben sich auf der obersten Kuppe verschiedene, zu einem allein stehenden befestigten Herrenhof gehörende Baulichkeiten. Ihre Grundrisse sind aus dem anstehenden Fels herausgemeißelt, die aufgehenden Teile waren ursprünglich in Blockbautechnik aus Holz errichtet. Eine mit einer Palisade erhöhte Befestigungsmauer schützte das burgartige Gehöft, dessen Erstellung im 5./4. Jh. v. Chr. erfolgte. Innerhalb des Hofareals befand sich neben den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden eine einzigartige Besonderheit, die in zwei Etappen 10.4 m tief in den Quarzphyllit eingehauene Regenwasserzisterne.

Der überwiegende Teil der Funde (im Museum ausgestellt) stammt aus den Häusern I und V. Beide Objekte waren zumindest in einem jüngeren Zeitabschnitt der Besiedlungsperiode zweigeschossige Hanghäuser, das Haus V besaß zwei ebenerdige Räume.

Im Osten und Norden war dieser Kuppe eine etwas tiefer liegende Terrasse vorgelagert, die durch die fortschreitenden Arbeiten in einem Steinbruch fast gänzlich abgetragen wurde. Auf ihr befand sich wahrscheinlich ein Brandopferplatz, der archäologisch nicht untersucht werden konnte.

Med. Rat Dr. Karl Stainer sammelte zwischen 1932 und 1948 in dieser Gegend ein umfangreiches Fundgut, das die These eines Brandopferplatz (4. Jh. v. Chr. bis in das 4. Jh. n. Chr.) bestätigen könnte.

Um diese Zeit wurde das Dörflein im Zuge der Eroberung durch die Römer zerstört. In der Folge dienten die Ruinen scheinbar nur mehr als kurzfristiger Unterschlupf oder Versteck (siehe Münzfunde des 1. bis 4. Jh. n. Chr.). Die von der Terrassensiedlung stammenden römerzeitlichen Funde belegen zumindest ein eingeschränktes Wiederaufleben der dortigen Siedlungstätigkeit.

(c) Heimatkunde- und Museumsverein Wattens-Volders

Das Freilichtmuseum Himmelreich

In der mit einem Ringwall umschlossenen ehemaligen Siedlungsfläche können die Fundamente von acht Gebäuden, die teilweise in Fels gemeißelt sind, ausgemacht werden. Die rätische Siedlung war zwischen dem 5. und 1. Jh. v. Chr. bewohnt und ist durch einen Brand zerstört worden.

Die rätische Siedlung am Himmelreich wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts durch starke Unwetter arg in Mitleidenschaft gezogen. Umgefallene und entwurzelte Bäume zerstörten zum Teil das aufragende Mauerwerk und den Ringwall. Ein den ganzen Hügel überwuchernder Springkrautbefall tat sein Übriges.

Ausgelöst durch eine Diplomarbeit der jungen Architektin Daniela Egger über die rätische Himmelreichsiedlung beschloss der Verein Heimatkunde- und Museumsverein Wattens-Volders 2009 nicht nur eine grundlegende Sanierung, sondern darüber hinaus auch die Sichtbarmachung der angenommenen Kubatur der rätischen Häuser und eine umfassende Information der Rahmenbedingungen, unter denen die Menschen hier gewohnt haben. Zu sehen sind rätische Häuser mit dem typischen Grundriss: aus dem Felsen gearbeitet mit gewinkeltem Eingang und zwei Türen. Die Kubaturen aller rätischen Häuser sind markiert durch ein Gestell aus gerostetem Stahl. Die im Gelände stehenden Glastafeln geben in Kurzform Hinweise auf die Geschichte dieses denkwürdigen Platzes.

Medizinalrat Dr. Karl Stainer

Rätersiedlung Himmelreich_Wattens_Kraftort ©Hall-Wattens.at (12)

Der Gemeindearzt Dr. Karl Stainer (geb. 1868 in Innsbruck – gest. 1949 in Wattens) übernahm am 1. April 1894 die Sprengelarztstelle in Wattens. Er war der Sohn der berühmten Geierwally (Anna Stainer-Knittel). Medizinalrat Dr. Karl Stainer kannte die Sorgen und Nöte der kleinen Leute. Während der Hungersnot im Ersten Weltkrieg probierte er allerlei Früchte der freien Natur aus und lehrte die Frauen deren Anwendung. Er errichtete eine Rot-Kreuz-Stelle, verbesserte die Infrastruktur und plante 1936 gesunde Wohnungen, um die damals gefürchteten Krankheiten zu vermeiden. Von der Gemeinde erbat der Arzt klares Quellwasser für die Bevölkerung. Im Jahr 1908 gründete er den "Gemeinnützigen Verein", der sich 30 Jahre lang für soziale Anliegen und für die Verschönerung der Gemeinde engagierte. Die jährliche Vereinszeitung war die erste Informationszeitung der Gemeinde Wattens. Obwohl im Alter schwer leidend, widmete er sich bis zuletzt seinen ärztlichen Verpflichtungen. Für seine Verdienste wurde Stainer der Berufstitel Medizinalrat verliehen.

Um 1920 gelang ihm die wichtige archäologische Entdeckung der Rätersiedlung Himmelreich. Bei Steinbrucharbeiten nördlich der Hügelkuppe kamen urgeschichtliche Artefakte zutage. Neben wichtigen Funden für die Tiroler Numismatik (u. a. vindelik. Goldstater) entdeckte er auch die im Norden von Fritzens gelegene späthallstattzeitliche bis frühlatènezeitliche Siedlung, nach deren Fundobjekten Gero v. Merhart den Begriff der „Fritzner Keramik“ prägte. Stainer verwaltete die Funde und unterstützte die dortigen archäologischen Forschungen. Die Funde an Waffen, Werkzeugen, Keramiken und Münzen wurden von Dr. Stainer noch zu Lebzeiten dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum übergeben. Sie stellen heute einen wesentlichen Teil der dortigen, vorgeschichtlichen Sammlung dar.

Heimatkunde- und Museumsverein Wattens-Volders

Fundstück

Nach Dr. Karl Stainer ist auch Dr. Alfons Kasseroler eine wichtige Persönlichkeit im Zusammenhang mit der Rätersiedlung Himmelreich. Er machte weitere Entdeckungen u.a. auch das Urnenfeld von Volders. Es war sein Wunsch, dieses zu erhalten und es der Öffentlichkeit in einem kleinen Museum zugänglich zu machen.
In engem Zusammenwirken mit Kasseroler gründete im Jahre 1965 zu diesem Zwecke der damalige Hauptschuldirektor Konrad Fichtl den Heimatkunde- und Museumsverein Wattens-Volders. Seine statutengemäßen Ziele sind:

- die Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Heimat, ihrer Natur, Geschichte, Wirtschaft, Kunst und Kultur,
- die Konservierung und Erhaltung der historischen Ausgrabungsstätten sowie von Kultur- und Naturdenkmälern,
- die Führung des Museums Wattens, das sich in die zwei Bereiche ’Vor- und Frühgeschichte’ und der ’entwicklungsgeschichtlichen Darstellung der Unternehmen Swarovski und Papierfabrik Wattens’ gliedert
- die Führung einer heimatkundlichen Bücherei sowie die Herausgabe von heimatkundlichen Veröffentlichungen.

Museum Wattens

Museum Wattens (c)Lukas Schmied

Die Gemeinde Wattens hat am 5. Oktober 2018 ein neues Museum im Ortszentrum eröffnet. Dort ist ein Teil der archäologischen Funde aus der Region und der Rätersiedlung zu sehen. Weitere Funde befinden sich fachgerecht eingelagert im Depot des neuen Museum Wattens. Das Museum Wattens ist eine Einrichtung der Marktgemeinde Wattens und arbeitet mit verschiedenen Vereinen im Ort, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammen. Das Museum ist ein lebendiger Ort für Veranstaltungen und mit der Tourismusinformation ein Ort für Einheimische und Gäste.

Fritzens-Sanzeno-Kultur

Etwa in den Jahrzehnten um 500 v. Chr. formiert sich nördlich und südlich des Alpenhauptkammes die Fritzens-Sanzeno-Kultur.
Die Fritzens-Sanzeno-Kultur ist eine archäologische Kulturgruppe der Eisen- bzw. La-Tène-Zeit im Bereich der Alpen. Frühe Funde bei Fritzens und bei Sanzeno am Nonsberg (Trient) gaben der Kulturepoche den Namen Fritzens-Sanzeno-Kultur. Ihre Träger, die als Räter identifiziert werden, wurden während der römischen Feldzüge in den Alpen und ihrem Vorland im Jahre 15 v. Chr. vollkommen ausgelöscht oder nachhaltig romanisiert.

Der Historische Rundwanderweg

Unser Kraftort liegt direkt am Historischen Rundwanderweg zwischen Volders und Wattens. Der genaue Routenverlauf ist im nächsten Abschnitt (Wanderungen) beschrieben. Wie der Name schon erahnen lässt, findet man auf dieser Wanderung sehr viel geschichtlichen Hintergrund. Unter anderem passiert man die bekannte Karlskirche und gleich zwei Schlösser, nämlich Friedberg und Aschach. Kapellen und Kirchen runden das Angebot auf diesem Weg noch zusätzlich ab. Anbei eine kurze Beschreibung der einzelnen Stationen:

1. Die Karlskirche
Der beeindruckende Bau wurde in den Jahren 1620-1654 nach Plänen von Hippolitus Guarinoni errichtet. Guarinoni war der Stadtarzt von Hall und ist eng verbunden mit unserem Kraftort Schwarzbrunn. In den Jahren 1766/67 ist die Kirche in Inneren umgestaltet worden. Aus dieser Zeit stammen die Deckenfresken und das Altarbild, beides Werke des bekannten Freskenmalers Martin Knoller. In den Jahren 1977-88 wurde die Karlskirche mit einem Kostenaufwand von ca. 2,5 Mio. Euro renoviert und stellt heute einen der schönsten Sakralbauten Tirols dar. Zur Renovierung haben neben den öffentlichen Institutionen auch zahlreiche private Spender aus dem gesamten deuschen Sprachraum beigetragen.

2. Servitenkloster
Ein Viaduktbogen verbindet das Servitenkloster mit der Karlskirche. Den Grundstein für das Kloster legte 1631 ebenfalls Hippolitus Guarinoni. Wegen Geldmangels wurde der Bau jedoch erst 1692 weitergeführt und zwei Jahre später provisorisch fertiggestellt. Danach wurde sie dem Servitenorden übergeben. Das Kloster wurde während der Kriegshandlungen 1797 und 1809 mehrmals kurzfristig als Lazarett verwendet. Heute ist im Gebäude ein privates Oberstufenrealgymnasium untergebracht.

3. Tummelplatz Bruggenwaldele
Auf diesem kleinen Friedhof mit der Lourdes-Kapelle, welche 1892 eingeweiht wurde, sind symbolische Grabstätten für die Gefallenen beider Weltkriege errichtet. Nach zeitgenössischen Aufzeichnungen sind die in den Franzosenkriegen von 1797 und 1809 verwundeten Freiheitskämpfer, die im Lazarett des Servitenklosters ihren Verletzungen erlagen, auf diesem Friedhof bestattet. Die kleine Gedenkkapelle in der Süd-Ost-Ecke wurde von Angehörigen eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten erbaut.

4. Lexenkapelle
Die zum Hof "Lexen" gehörende Kapelle mit seinem steilen Schindeldach ist in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. In den 60er Jahren wurde sie entfeuchtet, der Verputz erneuert, sowie innen und außen neu ausgemalt. Die nördliche Dachhälfte erhielt 1994 neue Schindeln. Das Kruzifix, die Statue des hl. Johannes und die der hl. Anna im Inneren der Kapelle sind Werke des Frühbarocks. Der Kreuzweg ist eine bäuerliche Arbeit. Da ein Türmchen fehlt, wurde die Glocke im Giebel der Kapelle untergebracht. Heute noch werden zu besonderen Anlässen hl. Messen gefeiert.

5. Friedberg
Das ursprünglich im Andechs'schen Besitz stehende Schloss Friedberg wird im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1491 waren die Herren von Fieger Eigentümer der Burganlage, die ihr nach Umbauten den heute noch vorherrschenden, spätgotischen Charakter verliehen. Die Fieger starben 1802 im Mannesstamm aus. Im Anschluss wechselten die Besitzer öfters, bis in der Mitte des 19. Jahrhunderts Friedberg durch Kauf an die Grafen Trapp übergeht. Unter ihnen erhält der Ansitz das heutige Aussehen. Umfangreiche Renovierungen in den Jahren 2006-2009 vermitteln wieder den ursprünglichen Eindruck. Das Schloss kan heute für Veranstaltungen gebucht werden. Sehr beliegt sind Hochzeiten auf Schloss Friedberg.

6. Johanneskapelle
In der 1984 von der Feuerwehr Volders mit freiwilligen Arbeitsstunden errichteten Wegkapelle ist eine Holzstatue des Hl. Johannes Nepomuk zu sehen.

7. Schloss Aschach
Das südöstlich über dem Dorf Volders thronende Schloss wird erstmals 1334 urkundlich erwähnt. Es wurde nach einer Belagerung 1413 niedergebrannt und 1575 nach Plänen von Ernst Rauchenberg - dem Erbauer von Schloss Ambras - saniert und erweitert. Schloss Aschach ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

8. Pfarrkirche Volders
Sie ist Johannes dem Täufer geweiht. Die im gotischen Stil um 1437 begonnene und 1510 fertiggestellte Pfarrkirche wurde 1962-1965 von Clemens Holzmeister modern erweitert und umgebaut. Das Altarbild von Josef Schöpf und ein Kruzifix von Franz Nißl, entstanden um 1798, schmücken das Innere der Kirche. An der südseit gelegenen alten Friedhofsmauer sind historische Grabsteine angebracht. Bei Innenrestaurierungsarbeiten im Jahr 2009 konnten im Presbyterium Fundamente von zwei Vorgängerkirchen freigelegt werden. An der Südseite des bereits vor dem Kirchenbau errichteten Turms fand man Seccomalereien, die teils in der Frühgotik (um 1350), teils in der Romanik (um 1280) entstanden sein dürften.

9. Urnengräber
An der Kreuzung erinnert eine Gedenktafel an den im Jahre 1956 entdeckten Urnengräberfriedhof, der von 1100 bis 800 v.Chr. mit 431 Gräbern belegt war.

Die Sage "Salige Frauen am Himmelreich"

Im Zuge seiner Forschungen sprach Dr. Karl Stainer mit dem Moarbauern von Volders, der ihm von einer sagenumwobenen Höhle am westlichen Himmelbergschrofen erzählte, die vermutlich bereits bei der Anlage des Steinbruches "Am Himmelreich" zerstört worden war.
Salige bedeutet übrigens weise

In dem steilen Schrofen des Himmelreiches, der heute als Steinbruch dient, klaffte einstmals eine Höhe und man erzählt sich, dass dort zwei salige Fräulein gewohnt hätten. Die beiden waren bei den Bewohnern des Umlandes sehr beliebt, denn sie waren fleißig und geschickt und halfen bei Arbeiten in Haus und Feld, wo immer es nötig war. Eines Tages kam eine Wattenberger Bauerntochter am Himmelreichschrofen vorbei. Da stand vor der Höhle eine der Saligen, rief die Frau an und bat sie, ihrer Gefährtin, die am Wattenberg arbeitete, eine Botschaft auszurichten, die lautete: "Du, Imsel, die Amsel ist gestorben!" Die Bauerntochter überbrachte die Nachricht, da schrie Imsel auf, packte ihre Sachen zusammen und verschwand. Seither hat niemand mehr die beiden saligen Fräulein gesehen.

Christine Zucchelli - Geheimnisvolles Hall

Wanderungen rund um den Kraftort Himmelreich

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