Almsommer in Tirol - wo die Zeit ein wenig langsamer vergeht
Wenn im Frühsommer das Vieh auf die Almen zieht, beginnt in Tirol eine besondere Zeit. Die Bergwiesen blühen, die Tage werden länger und aus der Ferne hört man das Läuten der Kuhglocken. Gerade in der Region Hall-Wattens zeigt sich der Almsommer von seiner ursprünglichen Seite: mit grünen Tälern, klaren Gebirgsbächen, stillen Kraftorten und besonderen Bergerlebnissen wie den Mondscheinfahrten am Glungezer.
Almen sind weit mehr als schöne Ausflugsziele. Sie sind Lebensraum für Tiere, Arbeitsplatz für Bäuerinnen und Bauern und ein wichtiger Teil der Tiroler Kulturlandschaft. Durch das Auftreiben und Weidenlassen von Nutztieren wie Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferden (im Fachjargon – das Bestoßen der Almen) bleiben die Almwiesen offen und alte Traditionen werden weitergeführt. Regionale Produkte wie Käse, Butter, Speck oder frische Milch entstehen dort, wo Natur und Landwirtschaft eng zusammengehören.
Warum der Almsommer wichtig ist
Der Almsommer spielt für den Alpenraum eine wichtige Rolle. Viele Gäste suchen heute echte Naturerlebnisse, regionale Produkte und Orte, an denen sie zur Ruhe kommen können. Genau das bieten die Almen der Region wie zB das Voldertal mit Steinkasern, die Almen im Naturpark Karwendel oder der Glungezer auf unterschiedliche Weise. Eines haben sie alle gemeinsam: klare Luft, stille Wege, gelebte Almwirtschaft und das Gefühl, dass die Zeit ein wenig langsamer vergeht.
Gleichzeitig zeigen diese Erlebnisse, wie eng Tourismus, Landwirtschaft und Landschaftspflege miteinander verbunden sind. Ohne die Arbeit der Almbäuerinnen und Almbauern würden viele offene Almflächen langsam verschwinden. Deshalb ist der Almsommer nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein wichtiger Teil der regionalen Identität.
Wer auf den markierten Wegen bleibt, Weidetiere nicht stört, Müll wieder mitnimmt und regionale Produkte genießt, trägt dazu bei, diese besondere Kulturlandschaft zu bewahren.
Unterschiedliche Almformen
Ganz oft treffen wir die unterschiedlichsten Tiere auf einer Alm, das sind sogenannte gemischte Almen. Aber manchmal ist es notwendig, dass man eine Unterteilung vornimmt. Sei es aufgrund der Herdendynamik oder des Geländes. So zB auf einer Hengstalm, wo nur männliche Pferde aufgetrieben werden, die sich vorher die Rangordnung bereits ausgemacht haben. Eine Alm mit Stuten (weibliches Pferd) und Hengsten wäre nicht denkbar.
Schafe und Ziegen sind oft in unwegsamen Gelände unterwegs, also auf Almen, wo Kühe oder Pferde eher schwer zu halten sind, weil die Absturzgefahr zu groß wäre.
- Galtviehalm oder Jungviehalm
- Melkalm
- Mutterkuhalm
- Schafalm/Ziegenalm
- Stieralm/Ochsenalm (eher selten)
- Pferdealm/Rossalm
- Hengstalm
Auf einer Melkalm, wie dies im Voldertal oder Wattental der Fall ist, wird das Almengebiet vorwiegend mit laktierenden Kühen bestoßen. Die Milch wird auf der Alm verarbeitet (Wattener Lizum und sein bekannter Wattener Almkäse) oder aber ins Tal transportiert, so wie im Voldertal. Auf einer Melkalm beträgt der Anteil der Milchkühe mehr als 75 %.
Auf einer Mutterkuhalm wird diese vorwiegend mit Mutterkühen bestoßen. Das bedeutet für Wanderer erhöhte Vorsicht, weil Mutterkühe zum Schutz ihres Nachwuchses sehr sensibel auf Menschen und vor allem Hunde reagieren.
Auf einer Galtviehalm – Beispiel ist hier der Glungzer mit der Tulfeinalm - finden sich hauptsächlich Jungtiere, die im Tiroler Dialekt als Galtvieh bezeichnet werden.
Natürlich ist es möglich, dass alle drei Formen nebeneinander bestehen, dies nennt man dann eine Gemischte Alm.
Eher selten sind reine Schaf- und Ziegenalmen bzw. Pferde- oder Stieralmen. Einige Ziegen werden in Tulfes auf der Stalsinsalm gehalten.
Die Almen am Glungezer und im Voldertal
Einer der bekanntesten Berge der Region ist der Glungezer. Von dort eröffnet sich ein weiter Blick über das Inntal und die umliegende Bergwelt. Du wirst begeistert sein, wenn du am Schartenkogel, auf der längsten Zirbenbank der Welt diesen Ausblick genießt.
Hinter dem Glungezer zeigt sich der Almsommer von einer besonders ruhigen Seite: im Voldertal.
Das Voldertal zählt zu den stillen Naturjuwelen der Region Hall-Wattens. Der Weg führt direkt von der Mittelstation hinab zur Voldertalhütte und dort weiter entlang des Voldertalbachs. Wälder, Almwiesen, kleinen Brücken und Plätze, die zum Verweilen einladen, lassen dich völlig im Hier und Jetzt ankommen.
Mehrere Almen prägen bis heute das Tal. Alte Hütten, Weideflächen und frühere Almgebäude erinnern daran, dass diese Landschaft seit Generationen von Menschen gepflegt und genutzt wird.
Steinkasern - ein Stück Almgeschichte im Voldertal
Tiroler Almen ganz nah - Almwirtschaft besser verstehen
Passend zum Almsommer kannst du im Rahmen der Mondscheinfahrten an einer kostenlosen Naturführung mit Peter Fuchs, Almer und Experte für österreichische Almen teilnehmen:
- Was ist eigentlich eine Alm?
- Wie läuft ein Almjahr ab?
- Warum gibt es Hochleger und Niederleger und was genau ist das?
- Welche Rolle spielen Asten, also tiefer gelegene Weide- und Futterflächen?
- Und warum schmecken Almmilchprodukte und der Tiroler Almkäse je nach Alm unterschiedlich?
All diese spannende Fragen werden dort beantwortet. Komm vorbei und lass dich begeistern über dieses spannende Thema.

