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Fasnachtsbräuche. Im Herzen Tirols

Die stille und besinnliche Weihnachtszeit neigt sich dem Ende. Und während in den Stuben die wertvollen, über Generationen vererbten Hauskrippen wieder langsam verstaut werden, beginnt das bunte Fasnachtstreiben.

Abwechselnd findet in den Orten der Region Hall-Wattens ein traditioneller Umzug statt, bei dem nach altem Brauch der Winter - in Gestalt des Zottlers - vom Frühling - verkörpert durch den Tuxer - bezwungen wird. Das Fasnachtstreiben galt in früherer Zeit als öffentliches Ärgernis. Trotz vieler Verbote geriet es aber nie in Vergessenheit, was zeigt, wie tief dieser Brauch im Volksleben verwurzelt war und immer noch ist. Die Protagonisten des Umzugs spiegeln in aufwändigen Kostümen den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Hell und Dunkel (Recht und Unrecht) in einer beeindruckenden Art und Weise wider.

Dieses Gegenspiel zwischen Zottler und Tuxer, Bär und Bärentreiber, um nur einige zu nennen, spielte sich in früheren Zeiten meist in den Bauernstuben ab. Erst im 20. Jahrhundert wurde damit begonnen, diesen Brauch auf der Straße aufzuführen und damit einer breiteren Bevölkerungsschicht vorzustellen. Im Tiroler Volksboten wird bereits am 04.02.1926 auf den Matschgererumzug hingewiesen.

Die Fasnacht hat bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Milser und Absamer Matschgerer, Thaurer und Volderer Muller, Baumkirchner Hexen, Wattener Schellenschlager und verschiedene Traditionswägen nehmen alljährlich an diesem Umzug teil - und geben das lokale Dorfleben auf volkstümliche, humoristische Weise zum Besten. Und auch musikalisch ist einiges geboten, wenn die Musikkapellen und viele andere ihr Können unter Beweis stellen.

Fasnachtsumzüge und Auftritte in der Fasnacht 2027
Fasnachtsumzüge und Auftritte in der Fasnacht 2027
Aktuelle Informationen zu den Fasnachtsauftritten, Gasthausrunden und Umzügen in der Region Hall-Wattens.
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Wenn man über die Tiroler Fasnacht spricht, fällt früher oder später der Begriff der „MARTHA -Dörfer“:

Von der Landeshauptstadt Innsbruck aus führen am Fuße des Karwendels die fünf Ortschaften Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam nach Hall in Tirol. Aus den Anfangsbuchstaben der Dörfer setzt sich der Begriff der MARTHA – Dörfer zusammen. Der Buchstabe „H“ der MARTHA Dörfer bezieht sich übrigens auf den Haller Ortsteil Heiligkreuz, welcher zwischen Thaur und Absam liegt, und nicht, wie viele vermuten, auf Hall in Tirol.

Der Brauch der MARTHA-Dörfer ist kulturell so bedeutend, dass er im Jahr 2011 zum UNESCO Weltkulturerbe ( Immaterielles Kulturerbe) erhoben wurde.

Traditionelle Fasnachtsfiguren

Teilnehmer in aufwendigen Kostümen und bemalten Masken nehmen an einem fröhlichen Umzug teil, während sich im Hintergrund majestätische Berge erheben.

Die Tuxer

Begleitet von Musik, einem Ziehharmonika-Spieler bringen sie nach den derben und dämonischen Zottlern, den „Sonnenschein“, die fröhliche Fasnachtsstimmung. Die fröhlichen und jugendlichen Tuxer, vor allem aber die Spiegeltuxer mit ihrem prachtvollen Kopfschmuck, erinnern an den festlichen Almabtrieb im Herbst.

Drei Menschen in traditionellen Kostümen tanzen auf einer Straße. Im Hintergrund stehen Zuschauer vor einer Steinmauer und beobachten das Geschehen.

Der Spiegeltuxer

Mit seinem hohen Kopfschmuck von ca. 12 kg Gewicht, der von Federn und Blumen umgeben ist und in der Mitte einen großen Spiegel trägt, verkörpert der Spiegeltuxer das Frühjahr und den herannahenden Sommer. Mit dem Spiegel vertreibt er die bösen Wintergeister.

Menschen in traditionellen, bunten Kostümen und Masken tanzen auf einer Straße, umgeben von Alpenhäusern. Schneebedeckte Gipfel sind sichtbar.

Der Zottler

Die Härte und Kälte des Winters wird durch diese Figuren dargestellt. Mit heftigen Bewegungen - Stampfen, Trampeln und Tanzen - wird diese Wildheit betont. Bei jeder Bewegung fliegen die bunten Jutefransen der Gewänder hoch durch die Luft. Der Kopfschmuck besteht aus Pfauenfedern und Fell.

Teilnehmer eines traditionellen Umzugs tragen aufwendige Kostüme mit Federn und buntem Schmuck. Die Szene ist lebhaft und voller kultureller Ausdrucksstärke.

Die Zaggeler (Tschaggeler)

Diese Fasnachtfiguren zeigen den Herbst. Durch die farbenfrohen Gewänder mit den bunten Quasten und Glöckchen soll der Winter davon abgehalten werden, ins Land einzuziehen. Schwarze Hahnenfedern und ein mit Fuchs- oder Hasenfell bedeckter Hut bilden den Kopfschmuck.

Traditionelle Faschingskostüme und Holzmasken bei einem bunten Umzug vor alpiner Kulisse mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Die Klötzler

zählen zu den neueren Figuren der Matschgerer. Im Grunde sind sie eine Version der Zottler. Der Klötzer hat statt Fransen viele Holzklötzchen aufgenäht, die beim Aufspringen ein klapperndes Geräusch erzeugen. So wie der Tschaggeler hat auch der Klötzler eine Weidenrute.

Teilnehmer eines Festivals tragen traditionelle Masken, darunter eine auffällige Hexenmaske, vor einem alten Steingebäude.

Die Hexen

Sie sind Symbolfiguren des Winters und sind mit den Zottler eine der ursprünglichsten Gestalten der Matschgerer, Huttler und Muller der Marthadörfer.

Ein bunter Fasnachtsnarr in traditionellem Kostüm mit Maske und Reifen, begleitet von einem weiteren Kostümierten, vor einer steinernen Wand.

Die Fleckler

Mit einem Anzug, bestehend aus bunten Stoff-Flecken, einer spitzen Mütze und einer Weidenrute zum Einfangen der Leute erinnert der Fleckler an Zeiten in denen die Kleidung der einfachen Leute oft nur aus zusammengenähten Stoffresten bestand.

Teilnehmer eines traditionellen Festes tragen große, pelzige Bärenkostüme auf einer sonnigen Dorfstraße und sind von Zuschauern umgeben.

Der Bär

Er ist ebenfalls eine typische Symbolfigur des Winters und bereitet seinem Treiber, der ihn zu dressieren versucht, größte Schwierigkeiten. Am Ende besiegt jedoch der Treiber den Bären und vertreibt somit den Winter.

Person im Tarnanzug aus Blättern und Zweigen im verschneiten Wald, perfekt getarnt in der natürlichen Umgebung.

Der Krameter

Der Krameter ist eine traditionelle Fasnachtsfigur die nur beim Thaurer Mullerlaufen alle 4 Jahre auftritt. Die Krameter führen den Zug der Thaurer Muller an. Ihre Hauptaufgabe ist es dafür zu Sorgen, genügend Platz für die nachfolgenden Mullerfiguren zu schaffen. Sein Gewand ist über und über mit Zweigen des duftenden Wacholders (im Dialekt "Krametstaude" genannt) bedeckt.

Es ist ein extrem aufwendiges, duftendes und schweres Gewand, das bis zu ca. 45 kg wiegen kann.
Die Basis ist oft ein altes Uniform- oder Kleidungsstück, auf das die Zweige der Krameter aufgenäht werden.

Auch die Holzmaske (Larve) und ein langer Wacholderstamm gehören zur Figur.
Quelle: Thaurer Muller

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