Bergfeuer am Glungezer
Die Bergfeuer sind jedes Jahr wieder ein spannendes Ereignis, welches ohne den Einsatz von vielen freiwilligen Helfer:innen wohl kaum in dieser Größenordnung umsetzbar wäre. Mit viel Liebe zum Detail werden auf den Berghängen und Gipfeln tausende Fakeln in Form von Friedenstauben, Kreuzen oder Herzen aufgestellt und nach Einbruch der Dunkelheit entzündet.
Die meisten Bergfeuer sind zur Sommersonnwende am 21. Juni zu sehen. Umgangssprachlich spricht man auch von Herz-Jesu-Feuern oder Johannisfeuern. Was es damit auf sich hat und worin der Unterschied liegt, wollen wir im folgenden Blogbeitrag näher beleuchten.
Eines haben die Bergfeuer jedoch gemeinsam: seit 2010 sind sie Teil des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe!
Herz-Jesu-Feuer
Das Herz-Jesu-Feuer ist ein in Tirol im 18. Jahrhundert entstandener Feuerbrauch, der heute noch in allen Teilen des Landes gepflegt wird und mit der Herz-Jesu-Verehrung zusammenhängt.
Im Frühjahr 1796 traf der Krieg Napoleons Tirol vollkommen unerwartet und entsprechend unvorbereitet waren auch die Tiroler. Um über die Situation zu beraten, trafen sich die Landstände Tirols in Bozen. Angesichts der drohenden Gefahr durch die französischen Truppen und um göttlichen Beistand zu erhalten, versprachen sich diese feierlich das Land dem Heiligen Herz Jesu anzuvertrauen. Diesem Gelöbnis soll jedes Jahr aufs Neue gedacht werden.
Nach dem doch sehr überraschenden Sieg Tirols über die französischen Truppen wurde der Herz-Jesu-Sonntag am 3. Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Als Andreas Hofer das Gelöbnis vor der Schlacht am Bergisel gegen die Franzosen und Bayern erneuerte und im Anschluss siegte, wurde der Herz-Jesu-Sonntag zum hohen Feiertag ausgesprochen.
Seither gedenkt man jährlich mit den Herz-Jesu-Feuern an dieses Ereignis. Traditionellerweise sieht man bei den Herz-Jesu-Feuern christliche Symbole wie Kreuze, das Herz-Jesu oder auch die Inschriften INRI oder IHS.
Geschichtlicher Rückblick zu den Sonnwendfeuern
In Tirol werden seit dem 14. Jahrhundert sogenannte Bergfeuer entzündet. Sie sind unter den unterschiedlichsten Namen bekannt. Man spricht vom Sonnenwendfeuer, Herz-Jesu-Feuer bzw. auch vom Johannisfeuer. Die Tiroler Bergspitzen strahlen in dieser Nacht um die Wette. Teilweise gehören sie bereits zum Immateriellen UNESCO-Kulturerbe.
Mit der Sommersonnwende beginnt am 21. Juni der astronomische Sommer. Es ist der längste Tag und die kürzeste Nacht im Jahr. Weshalb die Sonnwendfeuer in Tirol auch als Herz-Jesu-Feuer bezeichnet werden, liegt am Widerstand der Tiroler gegen die Truppen Napoleons im Jahr 1796. Nach dem Herz-Jesu-Schwur und der Abwehr der französischen und bayerischen Truppen 1796 durch die Tiroler, wurden die Sonnwendfeuer in Erinnerung an dieses historische Ereignis in Herz-Jesu-Feuer umgedeutet.
Die Bezeichnung Johannisfeuer wird mit dem heiligen Johannes und dem Johannistag in Verbindung gebracht. Der Johannistag ist das Hochfest der Geburt Johannes'' des Täufers am 24. Juni. Er steht daher in enger Verbindung mit den Sonnwendfeuern.
Am Abend auf den Glungezer
Am Samstag gegen 18.00 Uhr starteten wir in Richtung Tulfes und fuhren gemütlich mit der neuen Gondelbahn bis zur Bergstation Tulfeinalm. Trotz angekündigter Gewitter hielt sich das Wetter noch sehr gut und wir genossen die Abkühlung am Berg, denn im Tal kletterten die Tempearturen tagsüber auf über 32 Grad Celcius.
Oben angekommen spazierten wir zum neu errichteten Zirbensee. Eine kurzweilige Wanderung auf einem wirklich entzückenden Weg. Es ist noch alles recht neu und im Entstehen, doch viele Highlights aus Zirbe kann man bereits entlang des Weges bewundern. Sei es das Eingangstor zum Zirbensee, die Aussichtsplattform oder die unterschiedlichsten Rastbänke und Erholungsplätze aus Zirbenholz.
Rund um den See hatten es sich bereits einige Leute gemütlich gemacht, um bei Einbruch der Dämmerung die umliegenden Sonnwendfeuer zu bewundern. Wir beschlossen in der Zwischenzeit auf der Tulfeinalm Abend zu essen. Übrigens haben wir auch schon die ersten Almrosen entdecken können. Bis zur Almrosenblüte wird es wohl noch einige Zeit dauern. Vor allem entlang des bekannten Zirbenweges kann diese Alpenblume bewundert werden.
Dämmerungseinbruch: das Spektakel beginnt
Mit Einbruch der Dämmerung wurden auch die Wolken hinter uns immer dunkler. Ohne Zweifel würden wir heute noch heftige Regenschauer erleben. Nach der Stärkung auf der Tulfeinalm, konnten wir noch rechtzeitig miterleben, wie der aufgebaute Scheiterhaufen entzündet wurde, bevor uns kurz darauf der Regen erwischte. Gegenüber auf der Nordkette konnten wir bereits einige Bergfeuer ausmachen. Neben einfachen Feuern gab es immer wieder spektakuläre Feuerbilder mit unterschiedlichen Motiven und Symbolen zu sehen. In jedem Fall war der Abend sehr gelungen und für die Kinder ein richtiges Abenteuer. In der Nacht mit der Gondel zu fahren, erlebt man schließlich nicht alle Tage: am Glungezer ist dies bei den Mondscheinfahrten wieder möglich.
