Die Geschichte des Christbaumes
... und weitere interessante Weihnachtsbräuche
Heidentum, protestantisch oder christlich?
Heidentum, protestantisch oder gar ein urchristliches Symbol? Der Streit um die Herkunft des Weihnachtsbaums ist mindestens genauso alt, wie der Baum selbst.
Der Ursprung des Christbaums liegt bereits im antiken Rom und bei den Germanen, denn immergrüne Pflanzen wie Lorbeer, Stechpalme, Tanne oder Eibe waren Sinnbild für Hoffnung: Böse Wintergeister sollen ferngehalten werden und man hoffte auf eine baldige Wiederkehr des Frühlings sowie auf ein fruchtbares Jahr.
Paradiesspiele im Mittelalter
Um den Menschen im 15. Jahrhundert die Bibelgeschichte zu erklären, begann man biblische Szenen in Kirchen darzustellen. Die Paradiesspiele mit Adam und Eva lieferten dafür den Auftakt, gefolgt von Krippenspielen. Ein Tannenbaum stand für die Erkenntnis im Garten Eden und wurde mit roten Äpfeln geschmückt, die im Laufe der Zeit von roten Weihnachtskugeln verdrängt wurden.
Christbaum versus Krippe
Martin Luther und andere Protestanten erklären im 15. Jahrhundert den Christbaum als Weihnachtssymbol ihrer Religion. Die katholische Kirche lehnte den Brauch lange Zeit ab, war ihr Symbol doch die Krippe, welche direkt aus Bethlehem kam.
Es ist umstritten, wo und wann der älteste Christbaum gestanden haben mag. Eine Überlieferung aus dem Jahr 1419 erzählt von Bäckerknechten, die in der Weihnachtszeit in Freiburg (D) einen Baum mit Äpfeln, Lebkuchen und Flittergold geschmückt haben sollen. Mit Rechnungen urkundlich belegt, ist ein Weihnachtsbaum im Straßburger Münster um 1539. In anderen schriftlichen Überlieferungen werden auch Puppen und Zuckerwerk als Christbaumschmuck erwähnt, die von den Kindern der Zunftangehörigen an Silvester wortwörtlich „abgeschüttelt“ werden durften.
Die katholische Kirche kann der Verbreitung des Weihnachtsbaums nicht Einhalt gebieten. Erstmal brachte 1816 die Gemahlin von Erzherzog Karl von Österreich einen Weihnachtsbaum nach Wien. Als 1841 der damalige Landeshauptmann von Tirol Clemens Graf von Brandis einen Baum in der Innsbrucker Hofburg aufstellen ließ, hat der Christbaum auch Tirol erobert. Vorerst nur in bürgerlichen und reichen städtischen Familien angesiedelt, verbreitete sich der Baum im 20. Jahrhundert auch in den ländlichen Raum und ist heute nicht mehr wegzudenken.
Wusstest du übrigens, dass der Krippenbrauch ein immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe ist? Möchtest du mehr über die stark verwurzelte Tradition des Krippenwesens in Tirol und rund um Hall wissen, besuche gerne unseren Blogbeitrag über den Krippenbrauch.
Ab wann gab es Christbäume im öffentlichen Raum
- 1934: Innsbruck vor dem Goldenen Dachl
- 1939: Hall in Tirol - nicht belegt, aber es gibt von diesem Jahr bereits ein Foto von einem Christbaum am Oberen Stadtplatz
- 1959: Wiener Rathausplatz
- 1982: Rom Petersplatz
Der Strohstern als Christbaumschmuck
Das Handwerk des Strohflechtens ist tatsächlich schon sehr alt und besonders dort verbreitet, wo man direkt vor Ort über das benötigte Material verfügte. Es handelt sich dabei meist um gewachsene Praktiken, die sich teils parallel, teils unabhängig, teils durch Weitergabe regional unterschiedlich entwickelt haben.
Strohsterne stehen häufig auch im Zusammenhang mit Weihnachtskrippen. Im Sammlungsbestand des Tiroler Volkskundemuseum kommen Strohsterne nur als Teil von Krippen vor.
Der Beginn für die Herstellung von Strohsternen in Österreich wird vermutlich auf das späte 18. Jh. datiert, als das Krippenverbot von Joseph II. die Krippen aus den Kirchen in den privaten Bereich verschlug. Damit etablierte sich auch der Brauch von Weihnachtsschmuck im eigenen Heim, also auch der des Christbaumschmucks. Ob Strohsterne bereits zu dieser Zeit an Christbäumen zu finden waren, kann man nicht mit Sicherheit sagen.
Eine stimmungsvolle, jedoch historisch nicht belegte Legende erzählt von einem armen Hirten, der dem Jesuskind nichts schenken konnte. Deshalb fertigte er einen Stern aus Stroh. Und somit passt die christliche Symbolik wieder zum Weihnachtsfest, denn der Strohstern erinnert an den Stern von Bethlehem und das Stroh an die Krippe, in der das Jesuskindl gelegen hat.
Info Tiroler Volkskundemuseum
Ist ein Christbaum heute ökologisch vertretbar?
Heute schmücken in der Weihnachtszeit rund 2,5 Millionen Bäume die Wohnzimmer der ÖsterreicherInnen. Während noch zu Beginn des neu aufgekommenen Weihnachtsbrauches stadtnahe Wälder radikal abgeholzt wurden, mussten die Behörden schon bald Schutzmaßnahmen für den Wald erlassen. 1875 wurde daher der Verkauf von Christbäumen untersagt. Es benötigte eine Lizenz, um am Markt einen Verkaufsstand führen zu dürfen. Dies belegt u.a. ein Abschnitt im Haller Lokalanzeiger vom 13.12.1919 (am Bild ersichtlich erste Spalte ganz unten), wo es von der Bezirkshauptmannschaft eine Vorschrift über den Verkehr mit Christbäumen in Hall gab.
Wo kann ich meinen regionalen Christbaum kaufen
Heute werden in Tirol auf ca. 45 Hektar Fläche Weihnachtsbäume angebaut. 1994 haben sich die Tiroler Christbaumproduzenten zu einem Verein zusammengeschlossen. Und das ist gut, denn die Nachfrage nach regionalen Bäumen wird glücklicherweise immer größer.
Ein Hektar Christbaumkultur bindet während der Produktionsphase von acht bis zehn Jahren etwa 140 Tonnen Kohlendioxid und erzeugt rund 100 Tonnen Sauerstoff. Ein schlagendes Argument gegen Billigware aus dem Ausland oder einem Kunststoffbaum, der viele Flugkilometer hinter sich hat.
Inzwischen haben sich Leihtannenbäume im Topf etabliert, die nach dem Weihnachtsfest wieder abgeholt oder zurückgebracht werden können.
Wo kann man in der Region Hall-Wattens regionale Christbäume kaufen?
- Heissangerer, Fam. Kössler in Tulfes: Nordmanntannen aus eigener Produktion direkt ab Hof, Selbstschneiden wird angeboten
- Beim Billa in Wattens: Verkauf durch Heissangerer
- Beim Schwimmbad in Hall: Verkauf durch Tunelhof - Tiroler Christbäume der Fam. Sponring vom Weerberg
- Bei der Kirche in Absam-Eichat: Verkauf durch Tunelhof



