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Salzbergbau zu Hall

Das "weiße Gold"...

... wie Salz auch gerne genannt wird, war einer der Faktoren, die Hall (früher Solbad Hall genannt) Reichtum bescherten. 9 km nördlich der Stadt, im so genannten Halltal, wurde von ca. 1244 bis 1967 Salz gewonnen.

Lage und Entstehung des Salzberges

Der in acht Horizonten aufgeschlossene Salzstock liegt auf 1.334 bis 1.635 m. Die Ausdehnung des noch offenen, wenn auch nicht mehr voll zugänglichen Streckennetzes wird auf 20.000 lfm, mit den alten Bauten zusammen auf etwa 40.000 lfm geschätzt. Unsere alpinen Salzlagerstätten gehören der Perm- und Triasformation an und sind vor ca. 200 bis 300 Mio. Jahren entstanden. Der mächtige Gebirgsdruck presste die plastischen Salz- und Tonmassen des in großer Tiefe liegenden Ursalzlagers durch Spalten und Klüfte nach oben in die Gebirgsschichten. Dieses Salz - eine chemische Verbindung aus einem Metall (Natrium) und einem Gas (Chlor) - ist mit der Gründung, der Namensgebung, der wirtschaftlichen und sozialen Struktur der Stadt Hall, ehemals Solbad Hall genannt, untrennbar verbunden.

Entdeckung des Salzberges

Bergbaumuseum_Tür_1

Ein reiches Geflecht von Sagen und Vermutungen umgibt die Auffindung des Salzberges. So erzählt eine Sage von einem Hirten, der sein Feuer mit Quellwasser löschte und an den verkohlten Holzresten Salzkrusten entdeckte. Typisch ist die Mär vom Wild oder weidenden Galtvieh, das die salzhaltigen Quellen aufspürte und Jäger und Hirten darauf aufmerksam machte.

Graf von Brandis berichtet: "Anno Domini 1275 ist die herrliche Gotts Gab zu Haal durch Niclausen von Rohrbach dergestalten erfunden worden, weilen er als begiriger Waidmann sich vilmal in selbigen Gebirge aufgehalten, und beobachtet hat, dass sich die Hirschen und Gämsen, wie auch das haimische Vieh an gewissen Orth versamblt, und die gesaltzene Stain ableckte, worauf man zu graben angefangen, und das Werk entlich in jetzigen wungerbarlichen Stand gerbacht."
Dass Graf von Brandis die Entdeckung des Salzberges gerade auf 1275 ansetzte, hängt vermutlich mit dem ältesten Amtsbuch der Haller Saline zusammen. Doch gegen dieses Jahr spricht z.B. der bedeutende Salzabsatz um 1244. Die Arbeiter hielten damals die gebotene Arbeitsruhe an Sonn- und Feiertagen nicht ein, woraufhin Bischof Egno von Brixen dem Probst zu Wilten die Vollmacht erteilte, die Arbeiter der Saline durch Verhängung von Kirchenstrafen zur Beachtung der Feiertagsruhe anzuhalten.

Die Freiung (Gerichtsbarkeit der Saline)
Neben vielen anderen Rechten verlieh König Heinrich dem Pfannhaus auch das Recht der Freiung, wodurch es einen vom Haller Stadtgericht unabhängigen Gerichtsraum bildete. Der urkundliche Beleg: "Was an Unzucht und Frevel in unserem Pfannhaus geschieht, als vor die dachtrupfen gen (soweit die Dachtraufen gehen), das sol darin gerichtet und gebessert werden und nicht anderswo."

Die Freiung des Salzberges begann bei der Bergkapelle im Halltal, zog sich durch das Tal hinauf und reichte bis hinter den Salzberg. Innerhalb dieser örtlichen Freiung durfte niemand, der beim Salzberg beschäftigt war, von Organen des Landesgerichtes Thaur verhaftet werden. Selbst dann nicht, wenn er sich eines Malefizverbrechens schuldig gemacht hatte. Außerhalb dieses Gebietes hatte jeder Bergarbeiter noch die persönliche Freiung, die auf leichte Straftaten beschränkt war, wenn er auf dem Weg von daheim zur Arbeit am Salzberg oder von dort heimwärts ging.

Die Solegewinnung am Salzberg
Beim Salzbergbau wird Sole gewonnen. In einem Hektoliter sind ca. 32 kg NaCl und Nebensalze gelöst. Jahrhunderte lang hat man eine ganz bestimmte Methode angewendet: das Laugverfahren. Der erste Hohlraum einer Werksanlage wird in einem Durchmesser von 30 bis 409 m und einer Höhe von 2 m ausgesprengt (ursprünglich händisch ausgeschlagen). Über das Sinkwerk (Ankehrschurf) bleibt der Werksraum immer von oben zugänglich, während er am unteren Horizont mit dem Wehrdamm verschlossen ist.

Durch das Sinkwerk wird der Werksdamm bis zur Decke (Werkshimmel) mit Wasser gefüllt, das aus dem anstehenden Haselgebirge das Salz bis zur vollen Sättigung von 32 kg/hl herauslöst. Die unlöslichen Bestandteile des Haselgebirges (Ton, Gips, Ahydrit) fallen zu Boden (Werkssohle) und bilden den Werkslaist. Die erzeugte Sole wird durch den Werkskasten über das in den Ablassdamm eingelegte Wehrrohr abgelassen. Dieser Prozess kann laufend wiederholt werden, bis das über dem Werk liegende Gebirge (Versudhöhe) bis zum oberen Horizont abgelaugt ist (Endhimmel). Die Laugung findet an den Werksulmen und vorwiegend am Werkshimmel statt, während sich auf der Werksohle ein Laiststock aufbaut. Der freie Werksraum wird dadurch immer größer und wandert von unten nach oben. Beim sehr salzarmen Haselgebirge füllt sich der Werksraum mit Laist und muss - um weiter verwendet werden zu können - gesäubert werden. Es waren stets mehrere Werksanlagen mit einem Fassungsraum von bis zu 10.000 Kubikmetern in Betrieb. Über einen Messtrog wurde die Sole teils durch Holzrohre, teils durch Gussrohre (ab 1903) in die Saline nach Hall geleitet.

Die Salzgewinnung in der Saline Hall
Die Salzgewinnung erfolgte in Hall bis zum Jahre 1951 in jeweils zwei feuerbeheizten Pfannen mit einer Heizfläche von etwa 140 m2 pro Pfanne. Bei dieser Salzgewinnungsmethode entwichen große Mengen Wasserdampf unmittelbar ins Freie, wodurch ein gewaltiger Wärmeverlust entstand. Aus diesem Grunde wurde im Jahr 1951 eine Thermokompressionsanlage in Betrieb genommen, die eine rationellere Arbeitsweise gestattete. Die bei der Verdampfung der Sole erzeugte "Brüde" (Dämpfe) wurde hier mittels eines elektrisch betriebenen Kompressors verdichtet, gleichzeitig erhitzt und wiederum dem Heizsystem des Verdampfers zugeführt. Die vom Salzberg in die Sudhütte geleitete Rohsole musste, um eine Kesselsteinbildung im Verdampfer zu vermeiden, vor dem Verdampfen gereinigt werden.

In der Solereinigung wurden Nebensalze, z.B. Magnesiumverbindungen (durch einen Zusatz von Kalkmilch) oder Calziumverbindungen (mit Hilfe von Soda) ausgefällt.

Nach der Reinigung wurde die Sole vorgewärmt und dann in den Verdampfer geleitet. Die ausfallenden Salzkristalle sammelten sich im Unterteil des Verdampfers, von wo sie über einen Mischer im breiigen Zustand in die Zentrifuge gepumpt wurden. In der Zentrifuge wurde die Feuchtigkeit des Salzes bis auf einen Rest von etwa 2,5% herabgesetzt. Über Förderbänder wurde das Salz in das Magazin befördert und dort durch automatische Verpackungsmaschinen versandfertig gemacht.

Die Saline Hall wurde 1967 geschlossen. Doch das Bergbaumuseum im Herzen der Haller Altstadt vermittelt heute noch den Eindruck, selbst "unter Tag" zu sein.

Die Sage dazu...